Was ist heute nicht im Umbruch oder im steten Wandel? Diesen gab es freilich schon immer, doch nicht so krass auf allen Bereichen und in so kurzen Folgen wie heute. Dies betrifft auch die Landwirtschaft. Was noch vor wenigen Jahren fast
unmöglich schien, ist heute Tatsache und die Entwicklung geht rasant weiter.
Die Bewohner von Adligenswil lebten in früheren Zeiten sehr einfach und mussten notgedrungen ein äusserst bescheidenes Leben führen. Die ganze Produktion war schwergewichtig auf die Eigenversorgung ausgerichtet. Man vergisst sehr schnell, dass die heute auf unserm Speisezettel stehende Kartoffel damals unbekannt war, denn die Kartoffel hat sich in unserer Gegend erst im 18. Jahrhundert eingebürgert.
Milch mit ihren Nebenprodukten und das Brot und das Gemüse aus dem eigenen Garten waren daher die Hauptnahrungsmittel, auch Obst und Getreide spielte eine wichtige Bedeutung in der Ernährung. So wurde in Adligenswil in
den früheren Jahren der Anbau von Obst, Getreide und Kartoffelbau gepflegt. Zur Eigenversorgung mit Kleidern und Wäsche sowie zur Herstellung von Seilen pflanzten die Bauern Hanf und Flachs.
Als 1860 die Regierung vor der Wahl eines neuen Priesters für Adligenswil stand, gaben sie dem zuständigen Statthalter F. Brunner den Auftrag über die Adligenswiler einen kurzen Bericht zu verfassen. F. Brunner schrieb, dass die Pfarrgemeinde Adligenswil nur aus der Grösse der politischen Gemeinde besteht und nach der letzten Volkszählung jetzt 608 Seelen zählt. Die Gemeindebürger von Adligenswil befassen sich zur Hauptsache mit der Landwirtschaft, mit Viehzucht, Herstellung von Most und geistigen Getränken, welche in der Stadt Luzern verkauft wurden. Der Charakter des grössten Teils der Bevölkerung sei etwas störrisch.
An ein intensives Bearbeiten der Liegenschaft konnte kaum gedacht werden, denn erstens musste alles mühevoll von Hand gewerchet werden und zweitens fehlten die nötigen Düngemittel um einen guten Ertrag zu erhalten. Die Viehbestände auf den meisten Höfen waren sehr klein, ein Bauer der über 7 Kühen besass war schon ein Grossbauer. Als Streuemittel in den kargen Winterställen bestanden zur
Hauptsache das eigen produzierte Stroh und das gesammelte Laub zur Verfügung. Der begehrte Dünger war somit nur spärlich vorhanden. Im Weiteren befand sich das wenige Vieh vom Frühling bis Herbst auf den Weiden. Das Bedürfnis nach Miststöcken und Güllen Kasten war daher nicht gegeben.
So gingen mehrere Jahrhunderte ins Land ohne dass sich in
der Entwicklung der Landwirtschaft etwas gross änderte. Einen raschen Aufschwung nahm die Landwirtschaft erst mit dem Einzug der Technik, durch welche den Bauern Maschinen zur Verfügung standen aber auch mit dem Angebot
von Kunstdünger.
Die arbeitslosen Leute befanden sich grössten Teils auf dem Land wo sich grosse Familien auf einem kleinen Bauernhof so recht als schlecht durchschlugen ohne für alle arbeitsfähigen Leuten Arbeit zu haben. Liegenschaften wie die in der Schädrüti und Stuben die früher eine staatliche Grösse aufwiesen wurden im 18. Jahrhundert zum Teil durch die Erbteilung oder aus finanzieller Not in kleinere Liegenschaften
aufgeteilt. Das Ziel war, dass wieder einige Familien eine bescheidene Existenz bekommen.
Mit der Industrialisierung wanderten viele Arbeitskräfte von den Bauernhöfen ab und die Landwirte ersetzten diese Kräfte durch Maschinen die ihnen die Industrie lieferte.
Im Vergleich zu heute mag uns das einstige Bauern nostalgisch anmuten. Als anfangs des 20. Jahrhundert die ersten Maschinen zu Einsatz kamen wie Mähmaschinen, Heuwender, Sämaschinen, Dreschmaschinen, Jauchepumpen, Autotraktoren und Traktoren hielt man diese technischen Fortschritte als
überwältigt, was sie auch wirklich waren. Doch was heute auf dem Bauernhof an maschinelle Einrichtung vorhanden ist, ist gewaltig. Dennoch bleibt bei all diesen Erneuerungen der Mensch im Mittelpunkt. Wenn er nicht für die Inganghaltung
sorgt, fehlen darin die Seele und das Ergebnis.
– Hans Meier, Ehrenbürger Adligenswil









